君子于役
Anonymous (Shijing)
君子于役,不知其期,曷至哉。
雞棲于塒,日之夕矣,羊牛下來。
君子于役,如之何勿思。
君子于役,不日不月,曷其有佸。
雞棲于桀,日之夕矣,羊牛下括。
君子于役,苟無飢渴。
Sehnsucht nach dem Entfernten Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 54.
Das Huhn zur Ruh' auf die Leiter steigt,
Das Rind sucht brüllend seinen Stall,
Nicht fern vom Untergang sich zeigt
Hoch oben der Sonnenball.
So lange bliebst du nun schon aus,
Sehnst du dich denn nicht selbst nach Haus,
Zu denen, die dich lieben?!
Der Hahn im Flug die Mauer erreicht,
Dem Stall das Schaf geht brüllend zu;
Die Sonne sich am Abend neigt,
Als ging sie auch zu Ruh'.
Du bliebst noch immer aus;
Bedenkst du denn nicht, wie zu Haus
Die Deinen nach dir seufzen?
Der Herr Gemahl beim Militär Jochen Kandel
— in: Kandel, Jochen. Sinesisches Liebesbrevier. Gedichte aus dem alten China. Würzburg: Selbstverlag, 1995. p. 47.
Den Herrn Gemahl,
den zog's zum Militär,
noch weiß ich nicht,
wie lange und wohin.
Selbst Hühner sitzen in den Nestern,
gen Sonnenuntergang
treibt's den Ochsen und das Schaf nach Haus,
nur den Herrn Gemahl,
den hält's beim Militär -
wie wär's, wenn ich's ihm nie vergäße!
Den Herrn Gemahl,
den zog's zum Militär,
nicht für Tage,
Nicht für Monde -
wo werd ich ihn wiedersehn?
Selbst Hühner sitzen auf der Stange,
gen Sonnenuntergang
treibt's den Ochsen und das Schaf zum Stall,
nur den Herrn Gemahl,
den hält's beim Militär -
hoffentlich hat er
genug zu fressen und zu saufen!
Sehnsucht nach dem vom Hause Entfernten Ernst Meier (1813–1866)
— in: Meier, Ernst. Morgenländische Anthologie. Klassische Dichtungen aus der sinesischen, indischen, persischen und hebräischen Literatur. Leipzig: Verlag des Bibliographischen Instituts, 1875. p. 41.
Wann doch wird der Gatte kommen?
Geht das Huhn schon durch sein Fenster,
Neigt zum Scheiden sich die Sonne,
Suchen Rind und Schaf die Ställe,
Und der Mann besorgt Geschäfte:
Sollt' ich seiner da nicht denken?
Wann darf ich ihn wiedersehen?
Schon ersteigt das Huhn die Leiter,
Neigt zum Scheiden sich die Sonne,
Suchen Rind und Schaf die Ställe;
Fern doch treibt der Mann Geschäfte:
Ach, wann enden meine Nöthe!
Die Soldatenfrau Elisabeth Oehler-Heimerdinger (1884–1955)
— in: Oehler-Heimerdinger, Elisabeth. Das Frauenherz. Chinesische Lieder aus drei Jahrtausenden. Leipzig: Union Deutsche Verlagsgesellschaft, 1925. p. 33.
Es steht mein Herr beim Regiment,
Weiß nicht, wann seine Zeit zu End,
Wo mag er heute sein?
Am Abend fliegt das Huhn zur Ruh,
Die Herde zieht dem Stalle zu
Beim letzten Tagesschein.
Mein Herr, der steht beim Regiment,
Sein muß ich denken ohne End.
Es steht mein Herr beim Regiment,
Nicht Tag noch Monat nur uns trennt,
Wann wird er bei mir sein?
Die Hühner sitzen auf zur Nacht,
Die Herden werden heimgebracht,
Und Dunkel bricht herein.
Mein Herr, der steht beim Regiment,
Ob Hunger quält, ob Durst ihn brennt?
Sehnsucht nach dem vom Hause Entfernten Friedrich Rückert (1788–1866)
— in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 81.
Das Huhn besteigt die Leiter,
Das Rind mit Brüllen sucht den Stall;
Die Sonne schwebt nicht weiter
Als Spannhoch über ihrem Fall.
So bist du wieder ausgeblieben!
Wie lange willst du es verschieben
Zu kehren heim zu denen die dich lieben?
Der Hahn erfliegt die Mauer,
Mit Blöcken sucht den Stall das Schaf;
Die Sonne senkt im Schauer
Des Abends sich zum nächt'gen Schlaf.
So bist du wieder nicht gekommen!
Wird nie von dir, dem guten frommen,
Bedacht, wie man hier nach dir seufzt beklommen?
Bei langer Entfernung des Gemahls Victor von Strauß (1809–1899)
— in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 144.
Mein hoher Herr ist fort im Dienst;
Weiß nicht, wie lang er hat zu thun;
Und wohin kam er nun?
Es schläft in seinem Stall das Huhn,
Es geht der Tag dem Abend zu,
Und Schaaf und Rind kehrt heim zu ruhn.
Mein hoher Herr ist fort im Dienst, –
Wie sollt' ich sein denn nicht gedenken nun?
Mein hoher Herr ist fort im Dienst –
Nicht Tagen bloß, nicht Monden nach.
Wann kehrt er heim in sein Gemach?
Es schläft das Huhn auf seinem Fach,
Es geht der Tag dem Abend zu,
Und Schaaf und Rind kommt unter Dach.
Mein hoher Herr ist fort im Dienst, –
Leid't er nicht Durst und Hunger, ach!