Zheng yue 正月

by Anonymous (Shijing)

Dynasty: Zhou 周 (1045 BC–256 BC)

Included in: Ruan Yuan 阮元 (ed.). Mao shi zheng yi 毛詩正義, Shi san jing zhu shu 十三經注疏 2. Taipei: Yee Wen Publishing Co., Ltd., 2001. 397f.

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  • Johann Cramer : Laute Klage
    Im Sommer war's, im vierten Mond, Da fiel ein starker Thau aufs Feld, Vergnügt sind alle Menschen nun, Ich trag' im Herzen schweren Gram. Vernommen hab' ich arge Botschaft; Weiß ich's von allen nur allein? Ich muß den Schmerz verborgen halten, Und ihm das Herz verstolen weihn, Soll mir's das Herz nicht spalten? Weh' mir, daß ich geboren ward, Um Solches zu erleben nun! Und warum konnte nicht geschehn, Was mich bedrängt, in andrer Zeit? Sie mögen denken was sie wollen, Ob's Gutes oder Schlimmes sei, Sie können’s nimmermehr verschweigen, Und ich bin voller Angst dabei, Doch ihnen ist nur Leichtsinn eigen. Ich trag' mein Grämen ganz allein, Seh' schneller stets das Unheil nah'n. Ein armes Volk geknechtet ist, Ein Land ist krank, wer heilt es wohl? Seht ihr den Raben dort im Fluge? Wohin wohl denkt zu fliegen er? Vielleicht zum Schloß, vielleicht zur Hütte? Wo es auch sei, er lastet schwer, Daß alles er in Schutt zerrütte. Da steht der Wald! wie angehäuft Von Bäumen, Stämmen, und Gezweig! So eingezwängt von Unheil ist Das Volk, und selbst der Himmel schweigt. Wenn er nur wollte, könnt' er's ändern; Wer aber thut ihm Widerstand? Wie, sollte Haß ihn wohl beseelen? Ich hab' ihn hassend nie gekannt, Doch sieht er zu, wie sie uns quälen. Nicht schwächlich ist ein Berg fürwahr, Der ganze Felder tragen kann. Doch warum beugt er sich dem Wind, Und höret lose Reden an? Er sitzt zu Rath mit seinen Räthen, Traumdeuter forschen nach dem Traum, Doch wollen sie sich selbst nur weiden An ihrer Klugheit, und vermögen kaum Die Spatzin von dem Spatz zu unterscheiden. Ist nicht der Himmel hoch genug, Was soll man sich nun bücken noch? Und liegt die Erde denn nicht fest, Daß man nur zitternd darauf geht? Wir haben wohl zum Gehen Füsse, Doch keiner wagt den ersten Gang; Ein jeder kennt das Rechte, Gute; Wie ist's drum, daß gleich Drach' und Schlang' Jetzt ſind, die sonst von edelm Muthe. Man kommt auf steilem Weg zum Feld, Rings Dorn und Felsen und Gestrüpp'; Doch ist der Acker gut bestellt, Verschmäht indeß der Weisheit Korn. Ich muß dem Schmerz fast unterliegen; Wie führt man jetzt das Regiment! Pao-See das Weib, verderblich schaltet, Wer löschet, wenn das Weltall brennt? Wie wird das Reich durch sie verwaltet?! Der ruh'ge Fisch im Wasser selbst Muß wie ein Schlimmer heimlich thun, Und ging er noch so tief zum Grund, Das klare Wasser ihn verräth. Mein Leid sich jeden Tag vergrößert, Sie aber zechen munter drauf, Und leben stets im Frohgenusse, Als wär' der Quell im vollen Lauf, Das Reich im schönsten Ueberflusse. Die Nattern wohnen in dem Schloß, Beschenkt mit Gnaden unverdient; Das arme Volk fühlt sich gebeugt, Die Welt erliegt des Himmels Zorn. Es mag ein Reicher dies ertragen, Der nimmer ganz verarmen kann, Wie aber soll in diesen Tagen Ausdauern der ganz arme Mann, Dem Gram nur bleibet und Beklagen?

    in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 144f.
  • Victor von Strauß (1809–1899): Klage über die heillosen Zustände im Reich
    Stark viel der Reif zur Sommerzeit; Mein Herz ist weh vor Traurigkeit. Des Volks verläumderisch Gerede, Es wächst und mehrt sich weit und breit. Gedenk' ich, wie allein ich steh', Zergrämt mein Herz Bekümmertheit. Ach weh, wie mein verzagtes Herz Hinsiechet am geheimen Leid! Ihr Eltern, die ihr mich gezeugt, Was thatet ihr's zu meiner Pein? Und konnte dieß denn vor mir nicht, Und konnte dieß nicht nach mir sein? Wie gutes Wort vom Mund' allein, Kommt schmählich Wort vom Mund' allein. Stets mehrt sich meine Herzenspein, Und trägt mir nur Verachtung ein. Mein trauernd Herz ist tiefbetrübt, Denk' ich des Unglücks, das und hetzt. So viele des unschuld'gen Volks Sind Alle Knecht' und Sclaven jetzt. O weh' uns armen Menschen hier, Von wem kommt Heil und noch zuletzt? Ein Rabe, seh' ich, fliegt herab - Weß ist das Haus, drauf er sich setzt? In Waldes Mitten sehen wir Nur Reisigholz und Stockbestand. Das Volk, umgeben von Gefahr, Blickt nach dem Himmel, traumgebannt. Doch kam, was Er bestimmt, so ist Kein Mensch, den Er nicht überwand. Es ist der große höchste Herr! Wem hat er Haß je zugewandt? Ob man den Berg auch niedrig nennt, Doch sind die Höh'n, die Gipfel dran. Des Volks verläumderisch Gerede, Warum wehrt's Keiner, der es kann? Beruft man die erfahr'nen Alten, Fragt bei den Träumedeutern an, So sagen Alle: "Wir sind weise; Wer aber kennt bei Raben Weib und Mann?" Nennt man den Himmel noch so hoch, Zu geh'n nicht wag' ich aufgericht't. Nennt man die Erde noch so fest, Auch nur zu schleichen wag' ich nicht. Doch diese Worte ruf' ich laut, Weh, weh' den Menschen dieser Zeit! Warum sind's Ottern und Gezücht? Seh'n wir den Acker noch so steil, Reich sproßt die Saat darüber her. Der Himmel aber schüttelt mich, Als ob ich unbezwinglich wär'. Die mich als Mutster aufgesucht, Als der nicht zu erreichen wär', Die greifen mich gehässig an; Auch brauchen kann man mich nicht mehr. Von Angst beklommen ist mein Herz, Als ob es eingeschnüret sei. Dieß gegenwärt'ge Regiment, Wie ist es voller Tyrannei! Wenn sich der Brand ringsum erhebt, Wer kommt ihm dann mit Löschen bei? Das ruhmvoll ehrenreiche Tscheu, Pao-sse führt seinen Sturz herbei. Dieß Ende liegt mir stets im Sinn; Noch, von der Regennoth umschlungen, Und da der Wagen schon bepackt, Weg wirfst du deine Wagenrungen. Stürzt aber deine Ladung um, So rufst du: Herr, mir beigesprungen! Würfst deine Rungen du nicht weg, Du würdest deinen Speichen frommen; Gäbst du auf deinen Fuhrmann Acht, Der Ladung blieb' ihr Sturz benommen; Zuletzt um's Schlimmste kämst du hin; - Doch das ist dir nie beigekommen. Kommt in den Teich der Fisch hinein, So kann er deß sich nicht erfreu'n, Denn ob er bis zum Grunde tauche, Er wird doch deutlich sichtbar sein. Mein traurig Herz ist tiefbetrübt, Gedenkt es, wie das Reich voll Tyrannei'n. Dort haben sie den besten Wein, Dazu die schönsten Gasterei'n, Sie laden alle Nachbarn ein, Die Vettern preisen's allgemein; Und denk' ich, wie allein ich steh', Ist mein betrübtes Herz voll Pein. Werthlose haben Häuser in den Gassen, Unwürd'ge füllen allzeit ihre Kassen; Dem Volk ist nicht sein Tagsbedarf gelassen; Der Himmel schlägt mit Noth die Massen; Und halten's nich die Reichen aus, – Weh, wer allein steht und verlassen!

    in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 309f.

正月繁霜,我心憂傷。 民之訛言,亦孔之將。 念我獨兮,憂心京京。 哀我小心,癙憂以痒。 父母生我,胡俾我瘉。 不自我先,不自我後。 好言自口,莠言自口。 憂心愈愈,是以有侮。 憂心惸惸,念我無祿。 民之無辜,并其臣僕。 哀我人斯,于何從祿。 瞻烏爰止于誰之屋。 瞻彼中林,侯薪侯蒸。 民今方殆,視天夢夢。 既克有定,靡人弗勝。 有皇上帝,伊誰云憎。 謂山蓋卑,為岡為陵。 民之訛言,寧莫之懲。 召彼故老,訊之占夢。 具曰予聖,誰知烏之雌雄。 謂天蓋高,不敢不局。 謂地蓋厚,不敢不蹐。 維號斯言,有倫有脊。 哀今之人,胡為虺蜴。 瞻彼阪田,有菀其特。 天之扤我,如不我克。 彼求我則,如不我得。 執我仇仇,亦不我力。 心之憂矣,如或結之。 今茲之正,胡然厲矣。 燎之方揚,寧或滅之。 赫赫宗周,褒姒烕之。 終其永懷,又窘陰雨。 其車既載,乃棄爾輔。 載輸爾載,將伯助予。 無棄爾輔,員于爾輻。 屢顧爾僕,不輸爾載。 終踰絕險,曾是不意。 魚在于沼,亦匪克樂。 潛雖伏矣,亦孔之炤。 憂心慘慘,念國之為虐。 彼有旨酒,又有嘉殽。 洽比其鄰,昏姻孔云。 念我獨兮,憂心慇慇。 佌佌彼有屋,蔌蔌方有穀。 民今之無祿,天夭是椓。 哿矣富人,哀此惸獨