Fu feng ge "Chao fa guang mo men" 扶風歌 "朝發廣莫門"

by Liu Kun 劉琨 (270–317)

Dynasty: Jin 晉 (266–420)

Included in: Lu Qinli 逯欽立 (ed.). Xian Qin Han Wei Jin Nanbeichao shi 先秦漢魏晉南北朝詩 Beijing: Zhonghua shuju, 1983. Jinshi 晉詩 11.849f.

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  • Erwin von Zach (1872–1942): Das Lied von Fu-feng
    Morgens breche ich vom Kuang-mo-Thore (von Loyang) auf; die Nacht verbringe ich auf dem Berge, wo der Tan-Fluss [entspringt]. Mit der Linken halte ich den gespannten Bogen; mit der Rechten schwinge ich das mächtige Schwert. Ich blicke zurück und schaue nach dem Kaiserpalast; dann treibe ich sofort wieder meinen fliegenden Wagen weiter. In meinem Sattel sitzend seufze ich lange; Tränen stürzen in Strömen herab. Ich binde mein Pferd unter einer hohen Fichte an; auf der Spitze des hohen Berges angelangt sattle ich es ab. Ein traurig brausender Wind erhebt sich; laut rauscht das Wasser durch die Schlucht. Ich winke mit der Hand [nach Loyang hinüber], von dem ich mich für immer trenne; vor Schluchzen kann ich nicht sprechen. Treibende Wolken sammeln sich meinetwegen; fliegende Vögel halten ein in ihrem Fluge und kreisen über mir voll Sympathie. Mit jedem Tage entferne ich mich weiter von der Heimat; wie kann ich vorher wissen, ob ich am Leben bleiben (und die Heimat wiedersehen) oder (in der Fremde) sterben werde? Voll Trauer bleibe ich im öden Wald verweilen; zusammengekauert überlasse ich mich meinem Jammer. Hirsche und Rehe wandern vor mir; Affen und Gibbons spielen neben mir. Mein Mundvorrat ist schon lange erschöpft; wie kann ich mich nur von Farnkräutern nähren? Ich ergreife die Zügel des Pferdes und rufe nach Genossen; auf hoher Bergzinne suche ich sie durch Pfeifen zu erreichen. Die Lehre des Edlen ist schon im Verfall; daher ist einst auch Konfuzius (im Lande Ch'en) ins Elend geraten. Ich erinnere mich auch an (den berühmten General) Li (Ling; BD No. 1171), der nicht zur festgesetzten Zeit [nach China zurückkehren] konnte; er verblieb daher am Hof des Hunnenkhans. Trotz all' seiner Treue und Loyalität wurde er (d.h. seine Familie) noch bestraft; (selbst ein weiser Fürst wie Kaiser) Han Wu[-ti] erkannte nicht seine Tüchtigkeit. Ich will dieses Lied zum Abschluss bringen; denn es ist traurig und lange. Ich höre daher zu singen auf und setze die Verse nicht weiter fort; denn je weiter ich sie fortsetze, desto trauriger werde ich.

    in: Zach, Erwin von. Die chinesische Anthologie, Harvard Yenching Institute Studies 18. Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press, 1958. p. 511f.

朝發廣莫門。暮宿丹水山。 左手彎繁弱。右手揮龍淵。 顧瞻望宮闕。俯仰御飛軒。 據鞍長歎息。淚下如流泉。 繫馬長松下。廢鞍高岳頭。 烈烈悲風起。泠泠澗水流。 揮手長相謝。哽咽不能言。 浮雲為我結。歸鳥為我旋。 去家日已遠。安知存與亡。 慷慨窮林中。抱膝獨摧藏。 麋鹿遊我前。猨猴戲我側。 資糧既乏盡。薇蕨安可食。 攬轡命徒侶。吟嘯絕巖中。 君子道微矣。夫子故有窮。 惟昔李騫期。寄在匈奴庭。 忠信反獲罪。漢武不見明。 我欲竟此曲。此曲悲且長。 棄置勿重陳。重陳令心傷。