綿蠻
Anonymous (Shijing)
緜蠻黃鳥 ,止于丘阿。 道之云遠,我勞如何。 飲之食之,教之誨之。 命彼後車,謂之載之。 緜蠻黃鳥 ,止于丘隅。 豈敢憚行,畏不能趨。 飲之食之,教之誨之。 命彼後車,謂之載之。 緜蠻黃鳥,止于丘側。 豈敢憚行,畏不能極。 飲之食之,教之誨之。 命彼後車,謂之載之。
Einer sucht Schutz und Unterkommen Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 186f.
Vorbei der gelbe Vogel zieht, Und singt auf jedem Baum sein Lied. Mir wird der Weg so lang, Mir wird so schwer der Gang, Und keiner gibt mir Speis' und Trank. Will keiner so barmherzig sein, Und führt mich in die Herberg ein? Vorbei der gelbe Vogel zieht, Und singt auf jeder Höh' sein Lied. Will gerne weiter gehn, Könnt' nur die Kraft bestehen, Doch meine Füße quälen Weh'n. O Mitmensch, übe Nächstenlieb' Und einen Wanderstab mir gib! Vorbei der gelbe Vogel zieht, Und singt durch Berg und Thal sein Lied. Zu geh'n nicht weigr' ich mich, Doch, ach, die Kraft entwich, Das Ziel bleibt fern mir, sicherlich. Ach, beut mir denn kein edler Mann Ein Plätzchen auf dem Wagen an!
Ein Schutz und Unterkommen Suchender Friedrich Rückert (1788–1866)
— in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 262f.
Der gelbe Vogel flieget, Auf allen Wipfeln mit Gesang sich wieget. Der Weg ist weit, der Weg ist lang, So schwer ist mir, so schwer der Gang; Wer gibt mir auf die Reise, Wer gibt mir Trank und Speise? Ist Niemand, dem zu Herzen drang Mein Ruf, daß er mir eine Herberg weise? Der gelbe Vogel flieget, Ob allen Hügeln mit Gesang sich wieget. Ich scheue ja da Gehen nicht, Allein die Kraft, die Kraft gebricht. Wenn nur mein Fuß es litte, Zu gehn mit großem Schritte! Wer trägt am Herzen Nächstenpflicht, Und gibt mir einen Stab, um den ich bitte? Der gelbe Vogel flieget, Durch Berg und Thäler mit Gesang sich wieget. Ich weigre mich ja nicht zu gehn, Allein ich fürcht', ich werd' es sehn, Daß meine Kräft' erlagen, Eh sie zum Ziel mich tragen. O läßt kein Edler sich erflehn, Und gönnt mir einen Platz auf seinem Wagen!
Der Marode Victor von Strauß (1809–1899)
— in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 381.
Gelbvögelein mit süßem Sang Sitzt an des Hügels Bug im Grün. O dieser Weg, wie ist er lang! Und was vergleicht sich meinen Müh'n? O speiset mich und tränket mich! Belehret mich und lenket mich! Gebietet, daß ein Folgenwagen Mit einem Sitz bedenket mich! Gelbvögelein mit süßem Sang Sitzt auf des Hügels Kante dort. Wie wagt' ich es, den Marsch zu scheu'n? Doch fürcht' ich, ich kann nicht mit fort. O speiset mich und tränket mich! Belehret mich und lenket mich! Gebietet, daß ein Folgewagen Mit einem Sitz bedenket mich! Gelbvögelein mit süßem Sang Sitzt an der Seite von dem Bühl. Wie wagt' ich es, den Marsch zu scheu'n? Doch fürcht' ich, ich kann nicht an's Ziel. O speiset mich und tränket mich! Belehret mich und lenket mich! Gebiet, daß ein Folgewagen Mit einem Sitz bedenket mich.