子衿
Anonymous (Shijing)
青青子衿,悠悠我心。 縱我不往,子寧不嗣音。 青青子佩,悠悠我思。 縱我不往,子寧不來。 挑兮達兮,在城闕兮。 一日不見,如三月兮。
Die Erwartende [Ausz.] Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 69.
— in: Jolowicz, Heinrich (ed.). Der poetische Orient. Leipzig: Verlag von Otto Wigand, 1853. p. 5.
— in: Anonymous (ed.). Freudvoll und leidvoll. Liebesgrüße von nah und fern. Berlin: Verlag von J. Guttentag, 1885. p. 209.
An seinem hellen Kleid Den dunklen Saum er trägt; Um ihn, um ihn, ach, Leid Mein wundes Herze hegt. Zwar werd' ich, dich zu sehn, Nicht selber zu dir gehn; Doch weißt du wohl, wie du mein Herz erquickst, Wenn einen Gruß du freundlich zu mir schickst. An seinem hellen Kleid, Den dunklen Saum er trägt! Ach meines Herzens Liebeleid Sein Bild nur immer hegt. Zwar werd' ich, dich zu sehn, Nicht selber zu dir gehn; Doch du weißt, ich kann ohn' dich nicht ruhn, Da könntest du zu mir den Weg wohl thun.
Launen Albert Ehrenstein (1886–1950)
— in: Ehrenstein, Albert. Chinesische Dichtungen. Lyrik, Werke. München: Klaus Boer Verlag, 1995. p. 15.
Der an seinem lichten Kleid Trägt den dunklen dunklen Saum – Ach um ihn, ach um ihn Leid' ich Leid Noch im Traum. Zwar, ich werde, dich zu sehn, Selbst nicht gehn; Aber, um mich zu erquicken – Könntest einen Gruß mir schicken! Der an seinem lichten Kleid Trägt den dunklen dunklen Saum – Meine Lieb ist kleines Leid, Modisch weiß er wohl Bescheid: Kleidet gut sich noch im Traum. Spieglein klein: leid' ich Leid? Ach, ich werde, dich zu sehn, Selbst nicht gehn; Aber, ich bin so beklommen – Könntest du zu mir nicht kommen?
Erwartung [Ausz.] Ernst Meier (1813–1866)
— in: Meier, Ernst. Morgenländische Anthologie. Klassische Dichtungen aus der sinesischen, indischen, persischen und hebräischen Literatur. Leipzig: Verlag des Bibliographischen Instituts, 1875. p. 22.
Dieses Mannes Kleider haben Oben einen schwarzen Rand. Ach, mein Denken und mein Sinnen Ist mir schier wir festgebannt. Zwar, wie viel ich auch mag spähen, Selber werde ich nicht gehen; Doch da ich muß ferne Leben, Könnt' er mir nicht Nachricht geben? Jener Mann trägt einen Gürtel, Ist ein schwarzes, schwarzes Band. Ach, mein Sinnen und mein Denken Ist mir schier wie fehlgebannt. zwar, wie viel ich auch mag spähen, Selber werde ich nicht gehen; Doch, da mir es bleibt benommen, Könnte er zu mir nicht kommen?
Du mit dem himmelblauen Kragen Elisabeth Oehler-Heimerdinger (1884–1955)
— in: Oehler-Heimerdinger, Elisabeth. Das Frauenherz. Chinesische Lieder aus drei Jahrtausenden. Leipzig: Union Deutsche Verlagsgesellschaft, 1925. p. 18.
Du mit dem himmelblauen Kragen Machst mir das Herze schwer. Darf ich mich gleich nicht zu dir wagen, Was schickst du mir kein Brieflein mehr? Du mit den blauen Edelsteinen Machst mir das Herze schwer. Darf ich auch nicht bei dir erscheinen, Was kommst du nicht mehr zu mir her? Du magst noch froh im Tanz dich drehen Dort auf der Mauer breit. Kann ich dich einen Tag nicht sehen, Ist mir's wie dreier Monate Zeit.
Erwartung Friedrich Rückert (1788–1866)
— in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 100f.
Der an seinem hellen Kleid Trägt den dunkeln dunkeln Saum; Ach um ihn, um ihn ist Leid Leid in meines Herzens Raum. Zwar, ich werde, dich zu sehen, Selbst nicht gehen; Aber, um mich zu erquicken, Könntest du doch einen Gruß mir schicken. Der an seinem hellen Kleid Trägt den dunkeln dunkeln Saum! Meiner Liebe Luftgeschmeid Ist sein Bild und ist sein Traum. Zwar, ich werd', um dich zu sehen, Selbst nie gehen; Aber, da ich bin beklommen, Könntest du einmal zu mir kommen.
Die Vernachlässigte Victor von Strauß (1809–1899)
— in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 170.
Gehest nun im blauen Kragen, Und mein Herz will schier verzagen. Darf ich auch zu dir nicht gehn, Konntest du denn nichts mir lassen sagen? Hast den blauen Gurt genommen, Und ich sinne tief beklommen. Darf ich auch zu dir nicht gehn, Hättest du nicht können kommen? Ach du tanzest loser Lauer, In den Thürmen auf der Mauer; Und ein Tag, ohn' dich zu sehn, Hat mir dreier Monden Dauer!