雞鳴
Anonymous (Shijing)
雞既鳴矣,朝既盈矣。
匪雞則鳴,蒼蠅之聲。
東方明矣,朝既昌矣。
匪東方則明,月出之光。
蟲飛薨薨,甘與子同夢。
會且歸矣,無庶予子憎。
Den König weckt die Königin Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 73f.
Auf! schon hat der Hahn gekräht,
Im Palaste regt es sich.
Liebesruhe nicht besteht,
Kleide nun als König dich. –
Nein, nur saust' es durch die Luft,
Noch ist's nicht der Hahn, der ruft.
Auf! es bricht der Morgen an,
In den Straßen wird es reg';
Schlossespfort' ist aufgethan,
Dorthin geht des Volkes Weg. –
Nein, nur war's des Mondes Schein,
Noch kann's nicht der Morgen sein.
Auf! die Morgenfliege schwirrt,
Deinen Schlaf verweis't sie mir,
Ach, wie schwer es mir auch wird,
Daß ich gehen soll von hier,
Ruft dich doch die Köningspflicht,
Höre drum die Liebe nicht!
Das war der Hahn, das war sein Krähen Conrad Haußmann (1857–1922)
— in: Haußmann, Conrad. "Im Tau der Orchideen" und andere chinesische Lieder aus drei Jahrtausenden. München: Albert Langen, Verlag für Literatur und Kunst, 1908. p. 17.
Das war der Hahn, das war sein Krähen,
Der Hofstaat, kommt, im Schloß zu spähen.
Nein, nicht der Hahn war's, der uns stört,
Ich hab' nur Fliegensums gehört.
Der Tag fängt an emporzuschweben,
Im Thronsaal ist schon reges Leben.
Nein, nein, das ist die Sonne nicht,
Was aufging, ist des Mondes Licht.
So laß, entrückt dem Fliegenschwarme,
Mich weiter ruhn in deinem Arme.
Doch horch, das Murren und Getös':
Sie sind dir meinetwegen bös!
Die Königin Tsi weckt den König Ernst Meier (1813–1866)
— in: Meier, Ernst. Morgenländische Anthologie. Klassische Dichtungen aus der sinesischen, indischen, persischen und hebräischen Literatur. Leipzig: Verlag des Bibliographischen Instituts, 1875. p. 33.
"Horch, der Hahn hat schon gekräht,
Zahlreich strömt es schon zum Schlosse"!
Nein, der Hahn hat nicht gekrähet;
's war nur das Gesumm der Fliegen.
"Sieh, die Morgenröth' erscheint,
Und ins Schloß strömt schon die Menge!"
Nein, nicht ist's die Morgenröthe,
's ist des Mondes Licht, der aufgeht.
"Zwar mich freut's, bei dir zu ruhen;
Doch nun ist es Zeit, die Menge
Zu entlassen, daß nicht etwa
Du um mich Verdruß erleidest."
Morgenunterhaltung im Bett Elisabeth Oehler-Heimerdinger (1884–1955)
— in: Oehler-Heimerdinger, Elisabeth. Das Frauenherz. Chinesische Lieder aus drei Jahrtausenden. Leipzig: Union Deutsche Verlagsgesellschaft, 1925. p. 29.
Sie (ängstlich): Horch, wie der Hahn schon kräht
Und voll der Schloßhof steht!
Er (beruhigend): Vom Krähen keine Spur,
Die Fliegen summen nur.
Sie: Im Osten wird es hell,
Der Hof ist schon zur Stell!
Er: Das ist nicht Morgengraun,
Der Mond ist's, den wir schaun.
Sie: Schon schwärmen Mücken hier,
Sonst träumt ich noch mit dir.
Läßt du die Herrn nicht ein,
Dann zürnen sie uns zwei'n.
Die Königin weckt den König Friedrich Rückert (1788–1866)
— in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 106f.
Auf! gesungen hat der Hahn,
Und es regt sich im Palast.
Leg', entrafft der Liebesrast,
Nun das Kleid des Königs an. –
Nein! mich täuscht der Nachtluft Klang,
Es war nicht der Hahn der sang.
Auf! der Morgen geht hervor,
Und die Straßen werden laut;
Harrend steht das Volk, und schaut
Auf's erschlossne Königsthor. –
Nein! mich trog des Mondes Licht,
Es ist noch der Morgen nicht.
Auf! die Morgenfliege summt,
Deinen Schlaf verweis't sie mir,
Gerne ruht' ich noch bei dir,
Aber mein Gefühl verstummt.
Geh! es ruft die Königspflicht,
Höre nun die Liebe nicht!
Aus dem Schi-king, 34. "Schon ließ der Hahn sein Krähn erschallen" Victor von Strauß (1809–1899)
— in: Seliger, Paul (ed.). Der Völker Liebesgarten. Leipzig: Verlag Julius Zeitler, 1909. p. 12.
"Schon ließ der Hahn sein Krähn erschallen;
Der Hof erfüllet schon die Hallen."
"Das war noch nicht des Hahnes Krähn;
Die Fliegen machten die Getön."
"Schon ist der Osten licht erglommen;
Der Hof ist schon zusammenkommen."
"Noch lichtet es sich ja im Osten nicht;
Das ist des Mondaufganges Licht"
"Die Fliegen sumsen ja im vollen,
Und süß wär's, neben dir noch träumen wollen;
Doch die Versammlung geht davon:
Laß nur nicht etwa mir und dir sie grollen."
Tagelied eines fürstlichen Paares Victor von Strauß (1809–1899)
— in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 175.
— in: Guenther, Johannes von. Lyrik aus aller Welt. Liebesgedichte, Ullstein Buch. Frankfurt a. M.: Ullstein Taschenbücher-Verlag, 1958. p. 189.
"Schon ließ der Hahn sein Krähn erschallen;
Der Hof erfüllet schon die Hallen."
"Das war noch nicht des Hahnes Krähn;
Die Fliegen machten dies Getön."
"Schon ist der Osten licht erglommen;
Der Hof ist schon zusammenkommen."
"Noch lichtet sichs im Osten nicht;
Das ist des Mondesaufgangs Licht."
"Die Fliegen sumsen ja im Vollen,
Und süß wärs neben dir noch träumen wollen;
Doch die Versammlung geht davon:
Laß nur nicht etwa mir und dir sie grollen."
— in: Guenther, Johannes von. Lyrik aus aller Welt. Liebesgedichte, Ullstein Buch. Frankfurt a. M.: Ullstein Taschenbücher-Verlag, 1958. p. 189.