黃鳥 "黃鳥黃鳥"
Anonymous (Shijing)
黃鳥黃鳥 ,無集于穀,無啄我粟。
此邦之人,不我肯穀。
言旋言歸,復我邦族。
黃鳥黃鳥 ,無集于桑,無啄我粱。
此邦之人,不可與明。
言旋言歸,復我諸兄。
黃鳥黃鳥,無集于栩。無啄我黍。
此邦之人,不可與處。
言旋言歸,復我諸父。
Die Auswanderer Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 139f.
Die Vögel fliegen hin und her,
Vom Meer zum Land, vom Land zum Meer,
Und nirgend Ruhe finden.
Wir machten von der Noth uns fort,
Und kamen ins Gewimmer,
Wenn wir kein Haus besessen dort,
So fehlt's uns hier am Zimmer.
Drum wollen wir nun wieder
Zu euch, ihr liebe Brüder!
Die Vögel fliegen hin und her,
Vom Meer zum Land, vom Land zum Meer,
Ausfallen ihre Federn.
Wir hatten keinen Weideplatz,
An Fütt'rung hier gebricht es,
Und, ach, uns fehlt der Trostersatz
Des mütterlichen Angesichtes.
Drum wollen wir voll Reue
Zur Mutter gehn aufs Neue!
Die Vögel fliegen hin und her,
Vom Meer zum Land, vom Land zum Meer,
Verscheuchet allenthalben.
"Laßt unsern Baum in Ruhe stehn!
Bepickt uns nicht die Aeste!"
Die Leute woll'n uns hier nicht sehn
Als gern willkommne Gäste;
Drum wollen wir nun wieder
Zu euch, ihr liebe Brüder!
Die Vögel fliegen hin und her,
Vom Meer zum Land, vom Land zum Meer,
Und singen Trauerlieder.
Gab man daheim uns auch kein Brod,
So heißt's hier Durst erleiden,
Und hier dräu'n uns die Feinde Tod,
Die Freunde heim nur Leiden.
Drum ziehn wir doch noch lieber,
Freunde, zu euch hinüber!
Die Vögel fliegen hin und her,
Vom Meer zum Land, vom Land zum Meer:
"Fort, Vögel, von den Staaten!
Was geht euch unser Reis denn an?
Was speist ihr unsre Feigen?"
Man nimmt sich unser hier nicht an,
Will sich nicht zu uns neigen;
Drum wandern wir, o Brüder,
In unsre Heimath wieder!
Sehnsucht nach dem Vaterlande Carl Friedrich Neumann (1793–1870)
— in: Jolowicz, Heinrich (ed.). Der poetische Orient. Leipzig: Verlag von Otto Wigand, 1853. p. 14.
Gelber Vogel, gelber Vogel, setz' dich nicht in die Saat, picke nicht unsere Frucht!
Ach, die Leute dieses Reiches sind uns nicht gut gesinnt.
Zu unserem Stamme kehren wir zurück; zurück zu unserm angestammten Lande.
Gelber Vogel, gelber Vogel, setz' dich nicht auf den Maulbeerbaum, picke nicht mein Getreide!
Ach, mit den Leuten dieses Reiches können wir uns nicht verbinden.
Zu unserem Stamme kehren wir zurück; zurück zu unsern Brüdern.
Gelber Vogel, gelber Vogel, setz' dich nicht auf den Baum, picke nicht meinen Weizen!
Ach, mit den Leuten dieses Reiches kann man nicht leben.
Zu unserem Stamme kehren wir zurück; zurück zu unsern Vätern!
Das Los der Auswanderer Friedrich Rückert (1788–1866)
— in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 200f.
— in: Mehlig, Johannes (ed.). Stimmen des Orients: Arabische, persische, indische und chinesische Dichtungen. Leipzig: Insel-Verlag, 1965. p. 253f.
Die Vögel ziehn und wandern
Von einer Flur zur andern,
Und nirgends dürfen sie sich lassen nieder.
Der Not wir wichen aus,
Und kamen in den Jammer.
Dort hatten wir kein Haus,
Hier haben wir keine Kammer;
Wir wollen heim zu unsern Brüdern wieder!
Die Vögel ziehn und wandern
Von einer Flur zur andern,
Vor Kummer aus fällt ihnen ihr Gefieder.
Dort hatten wir keine Weid
Und haben hier kein Futter
Und können unser Leid
Nun klagen keiner Mutter;
Wir wollen heim zu unsrer Mutter wieder!
Die Vögel ziehn und wandern
Von einer Flur zur andern,
Und überall sind traurig ihre Lieder.
Dort gab man uns kein Brot,
Hier gönnt man uns kein Wasser;
Uns brachten die Freund' in Not,
Hier drohn uns Tod die Hasser:
Wir wollen heim zu unsern Freunden wieder!
Die Vögel ziehn und wandern
Von einer Flur zur andern;
Wo sie sich setzen, scheucht man gleich sie wieder.
"Benagt nicht unsern Baum,
Pickt nicht von unsern Sprossen!"
Die Leute in diesem Raum
Wollen uns nicht zu Genossen;
Wir wollen wieder heim zu euch, ihr Brüder!
Die Vögel ziehn und wandern
Von einer Flur zur andern;
"Ihr Vögel, fallt auf unsre Saat nicht nieder!
Schonet unsern Reis,
Eßt nicht von unsern Feigen!"
Die Leut in diesem Kreis
Wollen nicht Lieb' uns erzeigen;
Wir wollen heim in unsere Heimat wieder!
— in: Mehlig, Johannes (ed.). Stimmen des Orients: Arabische, persische, indische und chinesische Dichtungen. Leipzig: Insel-Verlag, 1965. p. 253f.
Abschied aus fremdem Lande Victor von Strauß (1809–1899)
— in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 299.
— in: Gundert, Wilhelm. Lyrik des Ostens. München: Carl Hanser Verlag, 1952. p. 237.
Gelbe Vögel, gelbe Vögel,
Sitzt nicht auf Papierbaums Rand,
Pickt nicht meinen Reisbestand!
Dieses Landes Leute haben
Nie sich hold mir zugewandt;
Darum scheid ich, darum kehr ich
Heim zu meinem Stamm und Land.
Gelbe Vögel, gelbe Vögel,
Sitzt nicht auf dem Maulbeerreis,
Picket nicht von meinem Mais!
Dieses Landes Leute taugen
Zum Verständnis keinerweis;
Darum scheid ich, darum kehr ich
Heim in meiner Brüder Kreis.
Gelbe Vögel, gelbe Vögel,
Sitzt nicht auf dem Eichenhain,
Picket nicht die Hirse mein!
Dieses Landes Laute taugen
Nicht, ihr Wohngenoß zu sein.
Darum scheid ich, darum kehr ich
Heim zu meinem Fleisch und Bein.
— in: Gundert, Wilhelm. Lyrik des Ostens. München: Carl Hanser Verlag, 1952. p. 237.