宮詞
Zu Yong 祖詠 (ca. 699–ca. 746)
寂寂花時閉院門,美人相並立瓊軒。
含情欲說宮中事,鸚鵡前頭不敢言。
Hofdamen Hans Bethge (1876–1946)
— in: Bethge, Hans. Die chinesische Flöte. Nachdichtungen chinesischer Lyrik. Leipzig: Insel Verlag, 1907. p. 63.
— in: Jaspert, Reinhard. Lyrik der Welt. Lyrik und Weisheit des Auslandes. Berlin: Safari-Verlag, 1953. p. 121.
Der Park schläft tief. Kein Atmen. Alle Pforten
Sind zugeschlossen. Tief schläft der Palast.
Nur von den Blumenbeeten duftets leise.
Am Rande der Terrasse, wo aus rotem
Marmor die Balustrade sich erhebt,
Stehn, zueinander sanft geneigt, zwei Damen,
Wie Schattenbilder, und die eine möchte
So gern der andern ihren grossen Kummer,
Der ihr das Leben schwer macht, anvertrauen.
Sie späht in die Gebüsche, — alles still.
Schon will sie sprechen, da entdeckt sie plötzlich
In einem Zweige einen Papagei
Mit bunten Federn und mit grimmen Augen, —
Sie sieht ihn sitzen, seufzt tief auf und — schweigt.
— in: Jaspert, Reinhard. Lyrik der Welt. Lyrik und Weisheit des Auslandes. Berlin: Safari-Verlag, 1953. p. 121.
Bei Hofe Max Fleischer (1880–1942)
— in: Fleischer, Max. Der Porzellanpavillon. Nachdichtungen chinesischer Lyrik. Berlin, Wien, Leipzig: Paul Zsolnay Verlag, 1927. p. 33.
Mit schattenkühlen Blättern, Ast bei Ast
umwogt der alte Garten den Palast.
Die hohen Tore zu. Der Blumenduft
verzittert in der schweren Mittagsluft.
Zwei schlanke junge Mädchen, eng geschmiegt,
stehn an der Balustrade. Wehmut wiegt
die Eine ein. Sie will sich anvertraun.
„Geliebtes, in mein armes Herz zu schaun,
bereite dich. Sei gut und rat mir schlicht!“
Da knackt ein Ast. Sie duckt sich, atmet nicht,
sieht scheu sich um. Die Büsche ruhn, umbebt
von Bienensummen. In der Sonne schwebt
ein Schmetterling. Sie sieht sich wieder um,
erschrickt, erblaßt und preßt die Lippen stumm.
Auf einem Zweig, grellgrün, ihr zugeneigt,
ein Papagei. Sie starrt ihn an und — schweigt.
Das Geheimnis Alfred Forke (1867–1944)
— in: Forke, Alfred. Dichtungen der Tang- und Sung-Zeit, Veröffentlichungen des Seminars für Sprache und Kultur Chinas an der Hamburgischen Universität. Hamburg: Friederichsen, de Gruyter & Co., 1929. p. 101.
— in: Oehlke, Waldemar. Chinesische Lyrik und Sprichwörter. Bremen-Horn: Walter Dorn-Verlag, 1952. p. 79.
Still ist’s trotz Frühlingsweben,
Das Tor bleibt zugetan.
Zwei holde Frauen schweben
Zum buntgeschmückten Altan.
Sie wagen nicht, was geschehen,
Im Schlosse, zu sagen frei,
Aus Furcht, es könnte verstehen
Der lauschende Papagei.
— in: Oehlke, Waldemar. Chinesische Lyrik und Sprichwörter. Bremen-Horn: Walter Dorn-Verlag, 1952. p. 79.
"Still ist´s trotz Frühlingsweben" Alfred Forke (1867–1944)
— in: Oehlke, Waldemar (ed.). Seele Ostasiens. Chinesisch-japanischer Zitatenschatz. Berlin: F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung, 1941. p. 68.
Still ist´s trotz Frühlingsweben,
Das Tor bleibt zugetan.
Zwei holde Frauen schweben
Zum buntgeschmückten Altan.
Sie wagen nicht, was geschehen,
Im Schlosse, zu sagen frei,
Aus Furcht, es könnte verstehen
Der lauschende Papagei.
Bei Hofe Hans Heilmann (1859–1930)
— in: Heilmann, Hans. Chinesische Lyrik vom 12. Jahrhundert v. Chr. bis zur Gegenwart, Die Fruchtschale. München, Leipzig: R. Piper & Co., 1905. p. 91.
Welche würdevolle Ruhe! Welche feierliche
Stille! Alle Pforten sind geschlossen, und
die Blumenteppiche duften leise.
Zwei Damen stehn zu einander geneigt am
Rande der Terrasse, an der Balustrade
von rotem Marmor.
Die eine möchte gern sprechen, ihrer Begleiterin
den geheimen Kummer, der ihr Herz be-
drückt, vertrauen.
Sie wirft einen ängstlichen Blick auf die
Büsche, die regen sich nicht; doch auf dem
Zweig daneben steht sie einen Papagei mit
schillerndem Gefieder, stutzt und seufzt und
— schweigt.
Die Hofdamen Klabund (1890–1928)
— in: Klabund. Das Blumenschiff. Berlin: Erich Reiss Verlag, 1921. p. 75.
— in: Klabund. Dichtungen aus dem Osten. Bd. II China: Chinesische Lyrik. Wien: Phaidon-Verlag, 1929. p. 123.
Des Mittags Schweigen liegt auf der Terrasse.
Es ist so still. Die Blumen duften leise.
Und schattenhaft bewegen sich zwei blasse
Gestalten unterm Oleanderkreise.
Die eine hebt den Kopf, versucht zu sprechen,
Daß nicht ein unterdrückter Schrei sie sprenge.
Da stutzt sie, schweigt – um einen Zweig zu brechen.
Ein Papagei hüpft schillernd vom Gestänge.
— in: Klabund. Dichtungen aus dem Osten. Bd. II China: Chinesische Lyrik. Wien: Phaidon-Verlag, 1929. p. 123.
Schlossklatsch Elisabeth Oehler-Heimerdinger (1884–1955)
— in: Oehler-Heimerdinger, Elisabeth. Das Frauenherz. Chinesische Lieder aus drei Jahrtausenden. Leipzig: Union Deutsche Verlagsgesellschaft, 1925. p. 87.
Es ist schon kahl und blumenleer,
Verriegelt bleibt die Halle.
Auf der Terrasse stehn umher
Die schönen Frauen alle.
Was drinnen im Palast geschehn,
Will eine der andern klagen,
Doch wie den Papagei sie sehn,
Da mag es keine sagen.